From: Anonymous on
Das wohl popul�rste Impfgegner-"Buch" "Das Gesch�ft mit der Angst" macht tats�chlich
ein kriminelles Gesch�ft mit der Angst.
Es ist das �ble Machwerk eines senilen Ex-Badearztes,der keinerlei Ahnung von
Impfungen hat:

Geschrieben von November 2002

Ich schreibe das eigentlich f�r ein anderes Forum, aber aus aktuellem Anlass
(FR Artikel und Claudias Kommentar: "... und wieder Buchwalds Machwerk als kritische
Literaturempfehlung *grusel*. ")
gibt es hier schon mal einen "Vorabdruck":#


Ich lese gerade die Impfgegner-Bibel, G. Buchwald "Das Gesch�ft mit der Angst". Alle
Seitengaben im Folgenden beziehen sich auf die Taschenbuchausgabe von 1997 (Knaur).

Am meisten erstaunt mich bislang, wie viele der Impfgegner-Argumente, die ich in den
letzten Jahren geh�rt haben, in der Tat aus diesem Buch stammen. Ich h�tte gedacht,
dass die Quellen da ein bisschen breiter gestreut sind.

Buchwald zentrale These von der Nutzlosigkeit der Impfungen entspringt den ersten
Kapiteln zur Pockenimpfung. Dort wird bereits ausgef�hrt, dass die Pockenimpfung
nicht vor der Krankheit sch�tzt und somit auch nicht zur weltweiten Ausrottung der
Pocken beigetragen haben kann.
Begr�ndet wird die These damit, dass es Impfversager gibt. Also Personen, die trotz
Impfung erkranken und die offensichtlich durch die Impfung keine Immunit�t gegen die
geimpfte Krankheit erworben haben. Es ist ja nun keineswegs so, dass die seri�se
Literatur die Existenz von Impfversagern bestreitet . Welcher Prozentsatz der
Geimpften keine Immunit�t entwickelt, ist bei den einzelnen Impfstoffen durchaus
unterschiedlich, aber es ist in der Regel bekannt.

Und doch baut sich die Buchwaldsche Argumentation dieser simplen Tatsache auf:
1. es gibt Impfversager,
2. also sind nicht alle Geimpften gegen die Krankheit immun,
3. also sch�tzt die Impfung nicht,
4. also n�tzt die Impfung nicht,
5. also ist die Impfung unn�tig.

Dass der Schritt von 2. zu 3. v�llig unsinnig ist - denn der weitaus gr��ere Teil
der Geimpften ist ja durch die Impfung gesch�tzt - scheint vielen Buchwald-J�ngern
bis heute nicht aufzufallen. Es gibt einige, die im Internet und anderswo bekannt
geben, dass sie deswegen nicht an einen Impfschutz "glauben".

Die Schwachstelle in der Argumentationskette wird durch eine Verh�ltniszahl
verschleiert, die so interpretiert wird, als ob die Erkrankung vor allem ein Problem
von Geimpften ist oder in gleichem Ma� ein Problem von Geimpften wie Nicht-Geimpften
ist. Dem (an solche Tricks nicht gew�hnten) Leser muss es dann so vorkommen, als ob
die Impfung tats�chlich nichts bewirkt.
Es geht dabei um das Verh�ltnis von geimpft Erkrankten zu ungeimpft Erkrankten.

Buchwald analysiert Pockenausbr�che in der Nachkriegszeit in der Bundesrepublik
Deutschland. Zu diesem Zeitpunkt d�rfte der allergr��te Teil der Bev�lkerung gegen
Pocken geimpft gewesen sein. Die Ausbr�che blieben auch stets begrenzt und die
Krankheit verbreitete sich nicht weiter in der Bev�lkerung.
Bei Ausbr�chen in einer weitgehend durchgeimpften Population sind naturgem�� die
Impfversager die Gruppe, die stark von Ansteckung betroffen sein wird. So �berrascht
es nicht wirklich, dass es bei Buchwalds Nachkriegs-Pockenausbr�chen auch so ist.
Aber nat�rlich kann man daraus nicht schlie�en, dass die Impfung insgesamt nichts
gen�tzt hat.


Die zweite S�ule der Buchwaldschen Argumentation sind statistische Zeitreihen. Mit
ihnen soll gezeigt werden, dass Impfungen nicht am R�ckgang der Krankheits- oder
Todesf�lle beteiligt sind.

Beispiel 1: Den Bruch in der Zahlenreihe weg-leugnen.
Im ersten Kapitel gibt es eine Abbildung der Pockentodesf�lle von 1816-1930 (S.25).
Auf den ersten Blick erkennt man, dass nach der Einf�hrung des Reichimpfgesetzes von
1875 die Pockenf�lle dauerhaft auf ein sehr niedriges Niveau gesunken sind. Die
Zeitreihe ist eindeutig zweigeteilt: links starke Schwankungen auf hohem Niveau
(selten unter 2000 Tote pro Jahr), rechts zwei kleinere Epidemien bei insgesamt
niedrigem Niveau (im Mittel vielleicht 50 Tote pro Jahr, ist aber bei dem Ma�stab
nicht wirklich ablesbar). Also offensichtlich ist um 1875 herum etwas passiert, dass
die Pockentodesf�lle dramatisch und dauerhaft sinken lie�.

Aber f�r Buchwald ist das "eine geschickte, optische T�uschung". Das Impfgesetz von
1875 kann es nicht gewesen sein, weil n�mlich bereits die Zahl f�r 1874 nach den
sehr hohen Zahlen der drei Vorjahre schon wieder auf 3345 abgesunken war.
Man fragt sich da schon: versteht der Mann den Unterschied zwischen kurzfristigen
Schwankungen (die ja f�r eine Infektionskrankheit wie Pocken, Polio oder Masern bei
nat�rlichem Verlauf nicht gerade untypisch sind, und die von mir aus auch dem
R�cktransport der franz�sischen Kriegsgefangenen in ihre Heimat zuzuschreiben sein
m�gen) und einem _dauerhaft ver�nderten_ Muster?

Dieser Trick wird sp�ter bei der Polioimpfung auch wieder angewandt (S.125):
Hier sind zwar keine langen Zeitreihen verf�gbar, aber zwischen 1950 und 1960
schwanken die Erkrankungen um die 4000 herum, nach der Einf�hrung der Schluckimpfung
1961 fallen sie dauerhaft bis zum Ende der Zeitreihe 1995 auf ein Niveau irgendwo
zwischen Null und 50.
Selbst wenn man dann - wie Buchwald - darauf herumreitet, dass die vor-1962 Zahlen
aufgrund einer fehlenden Meldepflicht nur gesch�tzt sind, diesen _Bruch_ muss man
doch sehen!

Weit gefehlt: der Leser wird stattdessen damit verwirrt, dass das Auf- und Ab der
(gesch�tzten) vor-1962 Zahlen an den Impfstoff Virelon gekn�pft wird. Von dem wir
aber gar nicht erfahren, in welchem Umfang der �berhaupt in Deutschland eingesetzt
wurde.

Und dann noch eine echte L�ge: "Als 1961 die Schluckimpfungen langsam begannen,
waren die Todesf�lle bereits erheblich zur�ckgegangen. Die Schluckimpfung kann daher
nicht, wie immer behauptet wird, die alleinige Ursache des R�ckgangs der
Poliomyelitis-Todesf�lle gewesen sein." S.125
Die Todesf�lle waren aber 1961 kein bisschen zur�ckgegangen: aus der Grafik
ersichtlich stiegen sie von ca.180 im Jahr 1958 auf �ber 200 im Folgejahr und in den
beiden Jahren danach - 1960 und 1961 auf weit �ber 300. Erst im Jahr 1962 sanken die
Zahlen auf ca. 80 Todesf�lle, um von da an immer unter 50 zu bleiben.
Da hilft es auch nicht, dass Buchwald den Pfeil f�r die Schluckimpfung in der Grafik
in das Jahr 1962 mogelt, obwohl er im Text schreibt, dass die Impfung 1961
eingef�hrt wurde.

Auch hier gilt also wieder (�hnlich wie bei den Pocken): um das Jahr 1961 herum muss
irgendetwas passiert sein, dass die Polio-Erkrankungs- und -Todesfallzahlen
dauerhaft (und nicht nur f�r ein paar Jahre) dramatisch sinken liess. Die zuf�llig
ebenfalls im Jahr 1961 eingef�hrte Schluckimpfung darf es - zumindest f�r Buchwald -
nicht gewesen sein.


Beispiel 2: Der "sowieso" exponentiell fallende Trend
Ein weiterer statistischer Trick baut auf den allseits bekannten exponentiellen
Wachstums- und Schrumpfungskurven auf. Wenn man �ber eine bestimmte Zahlenreihe
einen exponentiellen Schrumpfungstrend legen kann, dann kann man annehmen, dass die
Zahlenreihe fr�her oder sp�ter gegen Null geht. Jetzt muss man also nur noch durch
ein geeignetes Zeitfenster die Erkrankungszahlen so hinzutrimmen, dass sie zu einem
exponentiellen Schrumpfungstrend passen. Dann hat man schon (fast) bewiesen, dass
die Krankheiten von selber aussterben.

Bei Diphtherie, Tetanus und Masern bedient sich Buchwald dieses Tricks. Zeitfenster
ist die deutsche Nachkriegszeit, meist ab ca. 1960, teilweise auch ab 1949. Wir
sehen sehr sch�n fallende Zeitreihen; die Impfungen haben offensichtlich kaum einen
Einfluss auf diesen Trend (f�r Diphttherie und Tetanus werden Massenimpfungen
zwischen 1970 und 1980 angegeben, f�r Masern ein Impfbeginn 1976).

Allerdings sehen wir vor allem Todesfallzahlen. Das ist eine kleine, aber feine
Einschr�nkung, weil auf die Todesf�lle ja die (intensiv-)medizinischen Versorgung
und die allgemeinen Gesundheitslage einen viel st�rkeren Einfluss haben, als auf die
Erkrankungszahlen.

Auch zur Auswahl des Landes und des Zeitfensters k�nnte man viel schreiben.
US-Masernzahlen zum Beispiel h�tten gegen�ber den von Buchwald gew�hlten den
Vorteil, dass sowohl Todesf�lle als auch Erkrankungszahlen verf�gbar sind und zwar
seit Beginn des Jahrhunderts und unbeeinflusst von Kriegs- und Fl�chtlingsdramen.
Kein Wunder, dass man dort dann den Einfluss von Verbesserungen in medizinischer
Versorgung und Lebensbedingungen von dem Einfluss der Impfungen sehr wohl trennen
kann. Und dass sehr wohl sieht, dass sich erstere lediglich auf die Maserntodesf�lle
und nicht auf die Maserzahlen auswirkten. Und dass die Verbesserung der
Lebensbedingungen die Maserntodesf�lle zwar dramatisch senkte, ein "Sockel" von ca.
500 pro Jahr aber blieb, der erst durch fast vollst�ndige Ausrottung der Masern per
Impfung beseitigt wurde.

Aber Buchwald hat sich nun mal - sicher aus rein patriotischen Gr�nden - f�r die BRD
entschieden.

Allerdings sieht man auch da, dass die Impfungen offensichtlich sehr wohl zum
R�ckgang der genannten Krankheiten beigetragen haben. Wenn man zum Beispiel bei
Tetanus statt der Todesfallzahlen, die Erkrankungszahlen ansieht, dann ist ganz
deutlich, dass die von Buchwald so gescholtenen "Massenimpfungen" zwischen 1970 und
1980 einen sehr kr�ftigen Einfluss hatten. Zwischen 1962 und 1970 ein Mittelwert von
ca. 110 F�llen pro Jahr, kein ersichtlicher Trend; 1970-1980 dann ein stark
fallender Trend, Mittelwert in diesem Zeitraum ein Mittelwert von ca. 50 F�llen pro
Jahr, 1980-1990 ein Mittelwert von ca. 20 F�llen pro Jahr, leicht fallender Trend.

Die Zahlen sind alle aus den entsprechenden Grafiken herausgelesen und damit
nat�rlich nur so genau, wie es die Abbildungen erm�glichen.